Dienstag, 23. November 2010

Ein Samstagmorgen im Oktober in Weißensee
































Es ist immer wieder aufs Neue erstaunlich wie wenig man doch manchmal seine Umwelt wahrnimmt. Wir haben den Kopf voller Gedanken und werden von äußeren Einflüssen und Informationen wie mit einem Eimer Wasser total überschüttet. Tag für Tag. Es beginnt schon direkt am Morgen ,wenn unser Wecker klingelt, wenn er denn klingelt und wir ihn nicht im Halbschlaf einfach ignorieren und weiter schlummern möchten. Wenn er uns dann einmal halbwegs aus unseren mehr oder weniger angenehm en Träumen zerrt fängt das Unheil des Informationszuschüttens schon an. Die einen werden durch einen monotonen sirenenartigen Ton geweckt , welcher unseren Kreislauf von einer Sekunde auf die andere zur Hochform auflaufen lässt. Dieser "Schock" ist für die meisten Menschen überlebensnotwendig, da sie sonst wohl nie "in die Puschen" kommen würden und den ganzen Tag im Bett verbringen würden. Die andere Sorte von Mensch tut sich diese kaltherzige Begrüßung in den neuen Tag nicht an und stellt dafür das gute alte Radio als morgendliche Begrüßung ein. Dieses gibt einem nicht gleich das Gefühl als würde der Krankenwagen mit Sirene nur auf einen warten um ihn ins Krankenhaus beziehungsweise in den neuen Tag zu liefern. Allerdings quält uns das Radio mit anderen Dingen. Entweder wird man je nach Zeit durch einen Song , welcher natürlich top aktuell ist und im Radio rauf und runter läuft ( da wohl manche Leute ihre GEZ Gebühr nicht zahlen und das Radio sich keine andere Musik leisten kann )geweckt oder man hört zur halben und vollen Stunde die Nachrichten oder wird über das Verkehrschaos auf Deutschlands Straßen unterrichtet. Wer braucht am frühen Morgen denn schon zu wissen, dass die Autofahrer auf der A "Was weiß ich" im drei Kilometer langen Stau stehen, wenn man selbst ja erst einmal den Weg aus seinem eigenen Bett zur Toilette bewältigen muss. Um dieser Vielfalt an Informationen zu entgehen , habe ich mein Handy dazu verpflichtet mich immer mit derselben Melodie aus meinem seit letzter Zeit sehr erholsamen Schlaf zu holen. Ich bin absolut kein Morgenmuffel , allerdings möchte ich trotzdem meine Ruhe haben und entspannt und erholsam in den neuen Tag starten. Natürlich wie ich nun mal bin mache ich mir durch irgendwelche Dinge unnützen Stress und kann die Aufgabe des Weckers durch meine innere Unruhe selber übernehmen. "Ach ich MUSS heute dies und das erledigen. Oh nein ich MUSS zur Uni, welche mir definitiv keinen Spaß macht , und so weiter.." Mit so etwas macht man sich das Leben selber schwer und ich bin der geeignete Kandidat dafür, wenn es für so etwas einen Talentwettbewerb gäbe. Der erste Schritt ist die Erkenntnis. Darauf folgt die Besserung durch Veränderung. Somit wollte ich mich an diesem wunderbaren kühlen jedoch sonnigen Herbstsamstag von meinem alten "Ich" befreien und habe somit einen Ausflug in die Natur gemacht. Meine alten Angewohnheiten und den daran hängenden Ballast wollte ich aus meinem Leben streichen , indem ich meine Gedanken ( die ich auf einem weißen Blatt Papier festgehalten habe) und ein altes Foto in Kleinteilen der Natur schenke. Vorab muss ich nun sagen , dass ich diese Kleinteile noch nicht losgeworden bin , da ich den "richtigen" Ort gefühlsmäßig heute nicht gefunden habe. Nun befindet sich mein altes Ich in einem Briefumschlag , der nur darauf wartet in die Freiheit entlassen zu werden und mich nie wieder zu sehen. Aber nun zum eigentlichen Thema. Früh morgens , so gegen neun Uhr habe ich mein Fahrrad ( meine Schwester würde es wohl als "Omafahrrad" bezeichnen) mit großen Bemühungen aus seinem Ständer geholt und bin losgeradelt. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen einen Ausflug ins "hippe" Friedrichshain zu machen , habe mich dann allerdings bei dem Straßenschild "Weißensee" an der Kreuzung umentschieden. Also ging meine Reise zum See in Weißensee. Außer ein paar Joggern und dem ein oder anderen Fußgänger mit Anhängsel ( das heißt mit Kind oder Wuffi) war es sehr ruhig und für Berlin fast menschenleer. Die Sonne hat ihre wärmenden Strahlen, welche einem ein Gefühl von Behaglichkeit in der doch etwas kühleren Morgenluft des Herbstes durch die noch grünen Bäume gestreckt. Das ruhige Wasser des Sees wurde somit zum Glänzen gebracht und hat mir die Schönheit der Natur wirklich noch einmal bewusst vor Augen geführt. Die Ruhe , die Sinnlichkeit , das Leben und auch die Vergänglichkeit wurden mir bewusst. Im Alltag achten viele Menschen nicht mehr auf das Wesentliche. Um sie herum geschehen so viele Dingen. Dies ist vergleichbar mit einem Sog . Alles um uns herum ist in Bewegung, es dreht sich , alles muss immer und immer schneller werden. Wir sollen alles aufnehmen und haben überhaupt keine Zeit mehr dies alles zu verarbeiten. In diesen Sog lasse auch ich mich mit hineinziehen. In Zukunft allerdings möchte ich versuchen , meine Umgebung und alles egal ob Mensch , Natur oder Tier bewusster wahrzunehmen und den Moment zu genießen. Ich weiß , dass hört sich alles sehr einfach an und ich bin die genau die Richtige , die so etwas sagt. Mein Leben mache ich mir selber durch vielerlei Dinge kompliziert und belaste mich nur selber damit. Ich lasse mich von der Zeit lenken und nicht von meinem Gefühl. Diese Erkenntnis habe ich jedoch heute machen dürfen und ich hoffe , dass ich sie auch aktiv in meinem Leben umsetzten kann. Die Fotos , welche ich heute morgen "geschossen" habe werde ich wohl irgendwie ( irgendwie ist gut gesagt , denn heutzutage erfordert es keinerlei Mühe digitale Fotos dank DM und Rossmann zu Papier zu bringen) und irgendwo in meiner Wohnung plazieren. Bei jedem Betrachten dieser Werke hoffe ich , dass meine guten Vorsätze anhalten werden und nicht nur Vorsätze bleiben , sondern in die Tat umgesetzt werden und zu einer Art Lebenseinstellung werden. Uff und jetzt bin ich ehrlich gesagt selbst sehr erstaunt über mich selber. Mein Vorhaben war "eigentlich" nur etwas über das Wahrnehmen der Natur zu schreiben und das es doch nun auf so viele Zeilen hinausläuft hätte ich nicht gedacht. Hieran sehe ich das man einfach über seinen Schatten springen muss, Dinge angehen sollte und während man dies tut die Ideen ganz von alleine kommen.


In diesem Sinne


xoxo







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